Was ist ein KI-Agent? Definition, Werkzeuge, Grenzen im KMU
Ein KI-Agent ist ein Programm, das ein Ziel entgegennimmt, selbst entscheidet, welche Werkzeuge es dafür aufruft, und in einer Schleife arbeitet, bis das Ziel erreicht ist oder ein Mensch eingreift. Vectoryon betreibt einen solchen Agenten für Schweizer KMU ab CHF 49 pro Person und Monat, mit Zugriff auf Postfach, Ablage und eigene Vorlagen. Der Begriff wird oft grösser verkauft, als er ist: Gartner rechnete im Juni 2025 damit, dass über 40 Prozent der Agenten-Projekte bis Ende 2027 wieder abgebrochen werden, meist wegen unklarem Nutzen und Kosten. Dieser Text erklärt, was ein KI-Agent wirklich tut, wie er sich von einem KI-Assistenten unterscheidet und wo der Mensch entscheidet.
Die Definition hier folgt der Unterscheidung, die Anthropic im Dezember 2024 in "Building effective agents" beschrieben hat: Ein Workflow folgt einem vorgegebenen Pfad, ein Agent bestimmt seinen Pfad selbst. Beides ist nützlich, beides hat Grenzen. Wer die Grenze kennt, kauft das Richtige. Wer nur eine Liste von Werkzeugen sucht, findet sie auf der Seite KI-Tools im Überblick.
Was ein KI-Agent konkret tut
Ein KI-Agent bekommt eine Aufgabe in normaler Sprache, zum Beispiel: "Bereite die Antwort auf die Anfrage von Firma Meier vor und leg den Entwurf ins Postfach." Er zerlegt die Aufgabe in Schritte. Er sucht die Mail, liest den Anhang, holt die Preisliste aus der Ablage, schreibt den Entwurf und legt ihn ab. Jeder dieser Schritte ist ein Werkzeug-Aufruf: Postfach lesen, Datei öffnen, Dokument erstellen.
Der Unterschied zu einem Sprachmodell im Chat liegt in dieser Schleife. Ein Modell antwortet einmal auf eine Frage. Ein Agent prüft nach jedem Schritt, ob das Ziel erreicht ist, und ruft sonst das nächste Werkzeug auf. Fehlt eine Information, sucht er sie. Scheitert ein Aufruf, versucht er einen anderen Weg oder meldet den Fehler.
Drei Bausteine machen einen Agenten aus. Erstens das Sprachmodell, das plant und formuliert. Zweitens die Werkzeuge, jedes mit einer klaren Beschreibung, was es tut und was es braucht. Drittens der Kontext: die Unterlagen, das Postfach, die Vorlagen des Betriebs. Ohne Werkzeuge ist es ein Chatbot. Ohne Kontext antwortet er allgemein statt zum eigenen Betrieb.
Was ein Agent nicht ist: ein Mitarbeiter, der Verantwortung trägt. Er bereitet vor. Ob die Antwort an Firma Meier rausgeht, entscheidet die Person, die den Entwurf liest.
KI-Agent, KI-Assistent, Chatbot, Workflow: die Abgrenzung
Ein Chatbot beantwortet Fragen aus einem festen Wissensbestand. Er ruft keine Werkzeuge auf und kennt die Unterlagen des Betriebs nicht. Typisch: der Frage-Antwort-Kasten auf einer Website.
Ein KI-Assistent arbeitet auf den Daten des Betriebs und bereitet auf Zuruf ein Ergebnis vor: eine Antwort, einen Entwurf, eine Auswertung. Er ruft Werkzeuge auf, aber ein Schritt pro Auftrag, und die Person führt. Das ist heute der häufigste Einsatz im KMU. Was ein Assistent genau leistet, steht auf der Seite KI-Assistent.
Ein KI-Agent nimmt ein Ziel statt eines Schritts. Er reiht mehrere Werkzeug-Aufrufe selbst aneinander und arbeitet, bis das Ziel erreicht ist. Er kann zeitgesteuert laufen, zum Beispiel jeden Morgen das Postfach sichten und Aufgaben vorschlagen.
Ein Workflow, etwa in einer Automatisierungs-Software, folgt einem festen Ablauf, den jemand vorher gezeichnet hat: wenn Mail mit Anhang, dann ablegen, dann benachrichtigen. Zuverlässig, aber starr. Ein Agent entscheidet den Ablauf selbst, dafür ist er weniger vorhersehbar. Anthropic empfiehlt darum, mit dem einfachsten Aufbau zu beginnen und einen Agenten nur dort einzusetzen, wo der Weg vorher nicht bekannt ist.
In der Praxis verschwimmen die Begriffe. Vectoryon nennt sein Produkt Assistent, weil die Person im Chat führt. Technisch arbeitet dahinter ein Agent mit Werkzeug-Schleife. Die Automationen sind der zeitgesteuerte Teil davon.
Wie ein Agent bei Vectoryon arbeitet: Werkzeuge, Sandbox, Freigabe
Jedes Werkzeug hat eine Beschreibung und ein Schema, das sagt, welche Eingaben es braucht. Der Agent liest die Beschreibung und entscheidet, ob das Werkzeug zur Aufgabe passt. Beispiele: Postfach durchsuchen, Kalender lesen, Datei aus SharePoint holen, Dokument aus einer Vorlage erzeugen, Zeile in einer Tabelle ändern.
Die Werkzeug-Aufrufe laufen in einer Sandbox, einem abgeschotteten Bereich, der nur die freigegebenen Werkzeuge kennt. Der Agent kann keinen Code ausführen, der ausserhalb dieses Bereichs wirkt. Jeder Aufruf wird protokolliert: welches Werkzeug, mit welchen Eingaben, mit welchem Ergebnis. Diese Spur ist die Grundlage, um einen Lauf später nachzuvollziehen.
Alles, was den Betrieb verlässt oder Daten verändert, geht über eine Freigabe. Eine Mail an einen Kunden, eine Änderung an einem Termin, ein Dokument, das an eine Behörde geht: Der Agent bereitet vor, eine Person gibt frei. Das ist kein Sicherheitsnetz für den Notfall, sondern der normale Ablauf.
Die Daten bleiben in der Schweiz. Die Verarbeitung folgt dem revidierten Datenschutzgesetz. Der Zugriff auf Microsoft 365 läuft über die Graph-Schnittstelle mit OAuth und kann jederzeit entzogen werden.
Chatbot, Assistent, Agent im Vergleich
| Merkmal | Chatbot | KI-Assistent | KI-Agent |
|---|---|---|---|
| Eingabe | Frage | Auftrag für einen Schritt | Ziel über mehrere Schritte |
| Werkzeuge | keine | ja, ein Aufruf pro Auftrag | ja, mehrere Aufrufe in Schleife |
| Kennt Betriebsdaten | nein | ja | ja |
| Läuft ohne Zuruf | nein | nein | ja, zeitgesteuert möglich |
| Wer entscheidet | niemand, nur Antwort | die Person | die Person, per Freigabe |
| Vorhersehbarkeit | hoch | hoch | mittel, darum Protokoll und Freigabe |
Die Spalten beschreiben den typischen Fall. Produkte mischen die Formen. Vectoryon ist im Chat ein Assistent und in den Automationen ein Agent.
Wo die Grenzen liegen
- Ein KI-Agent entscheidet nicht. Er bereitet vor und legt zur Freigabe vor. Die Verantwortung für Mail, Buchung oder Vertrag bleibt bei der Person.
- Er ersetzt keine Fachsoftware. Kein Hauptbuch, kein ERP, kein CAD, kein Hotel-System. Er arbeitet daneben und übergibt per Export.
- Er ist so gut wie die Unterlagen. Fehlt die Preisliste in der Ablage, findet er sie nicht und sagt das. Er rät nicht.
- Ein Agent ist weniger vorhersehbar als ein fester Workflow. Wo der Ablauf bekannt ist und sich nie ändert, ist ein Workflow die bessere Wahl.
- Er handelt nicht ausserhalb der freigegebenen Werkzeuge. Was nicht als Werkzeug angebunden ist, kann er nicht tun, auch wenn er es beschreiben kann.
Details
Was ein KI-Agent im Schweizer KMU übernimmt
Im Treuhandbüro liest der Agent Belege, ordnet sie dem Mandanten zu und schlägt Buchungssätze vor. Die Kontierung bleibt beim Treuhänder. Im Handwerksbetrieb macht er aus dem Foto eines Rapports einen Regie-Rechnungsentwurf und fasst offene Offerten nach. Im Hotel bereitet er mehrsprachige Antworten auf Gästeanfragen vor.
Gemeinsam ist allen Fällen: Die Arbeit ist wiederkehrend, die Unterlagen liegen im Betrieb, und am Ende steht eine Person, die freigibt. Wo eine dieser drei Bedingungen fehlt, taugt der Agent wenig. Eine Bewertungsfrage im Jahresabschluss, eine Preisverhandlung, ein Baurechtsentscheid: Das bleibt Sache der Fachperson.
Der zeitgesteuerte Einsatz ist der zweite Fall. Jeden Morgen um sieben sichtet der Agent das Postfach, markiert Mails mit Frist und legt eine Liste der offenen Punkte ab. Das ist eine Automation mit Agenten-Kern: Der Zeitpunkt ist fest, der Weg durch das Postfach nicht.
Was ein KI-Agent kostet
Der Vectoryon Workspace kostet ab CHF 49 pro Person und Monat. Darin sind der Agent, der Arbeitsbereich und die Anbindung an Microsoft 365 enthalten. Die aktuellen Stufen stehen auf der Seite Preise.
Dazu kommt der Aufwand für die Einrichtung: Vorlagen anlegen, Ablage anbinden, Werkzeuge freigeben. Er hängt vom Zustand der Unterlagen ab. Ein Betrieb mit gepflegter Ablage ist in Tagen startklar, einer mit Dateien über fünf Laufwerke braucht länger. Wir nennen keine Pauschale, weil die Spanne zu gross ist.
Laufende Kosten entstehen pro Gespräch beim Sprachmodell. Sie sind im Preis enthalten, bis zu einem Kontingent pro Person. Wer den Agenten jeden Morgen über tausend Mails schickt, braucht mehr davon. Der Verbrauch ist im Workspace sichtbar.
Quellen zu diesem Text
Anthropic, "Building effective agents", Dezember 2024: anthropic.com/research/building-effective-agents. Die Unterscheidung Workflow gegen Agent und die Empfehlung, mit dem einfachsten Aufbau zu starten.
Gartner, Pressemitteilung vom 25. Juni 2025: "Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027". gartner.com/en/newsroom.
Suchvolumen "ki agent" und "was ist ein ki agent" für die Schweiz: eigene Messung mit DataForSEO am 27. August 2026, 260 und 180 Suchen pro Monat.
Häufige Fragen
Ist ein KI-Agent dasselbe wie ChatGPT?
Nein. ChatGPT ist ein Sprachmodell im Chat. Ein Agent nutzt ein Sprachmodell, ruft aber zusätzlich Werkzeuge auf und arbeitet in einer Schleife an einem Ziel. Der Vergleich der Werkzeuge steht auf der Seite KI-Tools.
Kann der Agent selbständig Mails verschicken?
Er schreibt den Entwurf und legt ihn zur Freigabe vor. Der Versand geht über eine Person. Das gilt für alles, was den Betrieb verlässt.
Was passiert, wenn der Agent einen Fehler macht?
Jeder Schritt ist protokolliert. Man sieht, welches Werkzeug mit welcher Eingabe aufgerufen wurde und was zurückkam. Der Fehler wird sichtbar, bevor etwas rausgeht, weil die Freigabe davor liegt.
Braucht ein KMU einen Agenten oder reicht ein Assistent?
Für die meisten Aufgaben reicht der Assistent: eine Person, ein Auftrag, ein Ergebnis. Ein Agent lohnt sich für wiederkehrende Abläufe ohne Zuruf, etwa das tägliche Sichten des Postfachs. Beides ist im Vectoryon Workspace enthalten.
Wo laufen die Daten, wenn der Agent arbeitet?
In der Schweiz. Die Verarbeitung folgt dem revidierten Datenschutzgesetz. Die beteiligten Dienstleister stehen in der Datenschutzerklärung.
Was kostet ein KI-Agent?
Ab CHF 49 pro Person und Monat im Vectoryon Workspace, plus Einrichtung nach Aufwand. Details auf der Seite Preise.
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- KI-Tools im Überblick Acht Werkzeuge nach Aufgabe, Preis und Datenstandort.
- KI-Agenten im Unternehmen Wenn die KI mitarbeitet statt antwortet: ein Erfahrungsbericht.